Schlechte Nachrichten für Kiffer

Kiffen könnte nach einer Studie von US-Forschern das Risiko, an Hodenkrebs zu erkranken, verdoppeln.
Schlechte Nachrichten für Kiffer, zumindest für männliche. Wissenschaftler vom Fred Hutchinson Cancer Research Centre in Seattle haben in einer Studie herausgefunden, dass häufiger und/oder anhaltender Konsum von Cannabis bei Männern das Risiko verdoppelt, an Nichtseminomen, einem bösartigen Hodenkrebs, zu erkranken.



Seit den 1950er Jahre habe sich die Rate der beiden Hodenkrebsarten, der Seminome und der aggressiveren Nichtseminome, die Männer vornehmlich im Alter von 20-35 Jahren bekommen, in Nordamerika, Europa, Neuseeland und Australien von 3 Prozent auf 6 Prozent verdoppelt. In derselben Zeit habe sich auch der Cannabis-Konsum verdoppelt. Janet Daling, eine der Autorinnen, kam auf die Idee, nach einer Verbindung von Hodenkrebs und Cannabis zu suchen, da neben dem Gehirn, dem Immunsystem, dem Herz oder dem Uterus auch in den Hoden Rezeptoren für den Wirkstoff THC vorhanden sind. Das männliche Reproduktionssystem produziere überdies eine Cannabinoid-ähnliche Verbindung, die vermutlich vor Krebs schützen soll, was möglicherweise durch den Cannabis-Konsum beeinträchtigt werden könnte. Weitere Folgen des Cannabis-Konsums sind nach den Wissenschaftlern schlechtere Spermienqualität, erhöhte Impotenz und weniger Testosteron. Da schlechtere Samenqualität und Impotenz mit einem erhöhten Hodenkrebsrisiko in Verbindung stehen, könnte dies bestätigen, dass Cannabis ein Risikofaktor ist.

Für ihre Studie, die in der Zeitschrift Cancer erschienen ist, befragten die Wissenschaftler 369 Männer zwischen 18 und 44 Jahren, die an Hodenkrebs erkrankt waren, nach ihrem Cannabis-, aber auch nach Tabak- oder Alkoholkonsum befragt. Zum Vergleich wurden zufällig ausgewählte 979 Männer derselben Altersgruppe und Gegend befragt. Auch nach Abgleich mit anderen Risikofaktoren wie erhöhtes familiäres Vorkommen erwies sich Cannabis-Konsum als wichtiger und unabhängiger Risikofaktor. Wer mindestens einmal in der Woche kifft oder seit dem Beginn des Erwachsenenalters regelmäßig Cannabis konsumiert hat, ist doppelt so stark wie Nichtkonsumenten gefährdet. Bei denjenigen, die zur Zeit der Hodenkrebs-Diagnose noch Marihuana geraucht haben, liegt das Risiko bei 70 Prozent.

Man wisse noch sehr wenig über die Langzeitwirkung von Cannabis, sagen die Forscher. Ihre Studie belege keine ursächliche Verbindung zwischen Cannabis und Hodenkrebs. Das könnten erst künftige Untersuchungen machen. Aber jungen Männern sollte bewusst sein, dass Kiffen möglicherweise spätere Risiken mit sich bringt.


http://www.heise.de/tp/blogs/3/127120